Wiesenvogelschutz Etzeler Marsch - Gelegesicherung 2015 -

                                 Ein Pilotprojekt der BUND Kreisgruppe Friesland

Auch wenn die Etzeler Marsch durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Entwässerungen, Ausdehnung der IVG Aktivitäten etc. in den letzten Jahrzehnten immens entwertet wurde, beherbergt sie auch heute noch bedeutende Wiesenvogelbestände. Wiesenvögel gehören zu den am stärksten gefährdeten Arten.

 

Poster dazu von Dr. Michael Exo

Foto: M. Exo - Sumpfohreulengelege auf einer Mahdwiese, markiert mit Bambusstäben

Wiesenvogelschutz in der Etzeler Marsch – Ergebnisse des Pilotprojekts 2015

Mit Unterstützung der Naturschutzstiftung Friesland – Wittmund – Wilhelmshaven hat die BUND KG Friesland 2015 ein Pilotprojekt zum Wiesenvogelschutz in der Etzeler Marsch durchgeführt, hier eine kurze Zusammenfassung:

Trotz vielfältiger Schutzbemühungen gehören Wiesenvögel in Deutschland zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten rapide ab. Die Bestandsrückgänge sind auf einen zu geringen Bruterfolg zurückzuführen. Die Schutzbemühungen in den Brutgebieten müssen dringend intensiviert und verbessert werden.

Die Etzeler Marsch war bis in die 1960er Jahre aufgrund hoher Grundwasserstände und winterlicher Überflutungen von hoher floristischer und avifaunistischer Bedeutung. Nach der Flurbereinigung, mit der intensiven Entwässerung und landwirtschaftlichen Nutzung nahm die Bedeutung deutlich ab. Stichpunktartige Erfassungen deuteten dennoch darauf hin, dass die Etzeler Marsch auch heute noch bedeutende Wiesenvogelbrut- und -rastbestände beherbergt. Die überwiegende Grünlandwirtschaft und der sehr geringe Erschließungsgrad begünstigen die Lebensraumqualität für Wiesenvögel. Zugleich mehrten sich aber auch die Hinweise, dass der Bruterfolg auch in der Etzeler Marsch sehr gering ist. Belastbare Ergebnisse lagen aber nicht vor, daher entschloss sich die BUND KG Friesland in einer Pilotstudie Bestandserfassungen und in Kooperation mit den Landwirten erste Gelegeschutzmaßnahmen durchzuführen.

Die Pilotstudie bestätigt die weiterhin große Bedeutung der Etzeler Marsch für Wiesenvögel. Auf der nur ca. 5 km² großen Projektfläche zwischen den Ortschaften Etzel, Horsten und Gödens wurden 2015 alleine 12 Rote Liste Arten nachgewiesen: Kiebitz (27 Brutreviere, BR), Großer Brachvogel (6 BR), Flussregenpfeifer (4 BR), Uferschnepfe (1 BR), Bluthänfling (3 BR), Feldlerche (14 BR), Feldschwirl (1 BR), Rebhuhn (3 BR), Schilfrohrsänger (4 BR), Steinschmätzer (1 BR), Teichrohrsänger (7 BR) und Wiesenpieper (6 BR). Erwähnenswert ist darüber hinaus die Brut einer Kornweihe gut 1 km nördlich des Projektgebiets. Die Etzeler Marsch ist damit als Brutgebiet mit regionaler Bedeutung einzustufen.

Im Jahr 2014 hielten sich 5 Sumpfohreulenpaare in der Projektfläche auf. Sumpfohreulen konnten in 2015 trotz intensiver Nachsuche nicht nachgewiesen werden. 2014 war ein Invasionsjahr. In mehreren Bereichen Ostfrieslands und des Oldenburger Landes wurden im Jahr 2014 außergewöhnlich hohe Dichten ermittelt.

Leider bestätigte sich aber auch die Befürchtung, dass der Bruterfolg der Wiesenvögel in der Etzeler Marsch sehr niedrig ist, aus den weitaus meisten Nestern flogen keine Jungen aus. Der Bruterfolg lag weit unter dem zur Bestandserhaltung notwendigen Minimum.

Ein Teil der Verluste dürfte auf die landwirtschaftliche Bearbeitung zurückzuführen sein – dies konnte nicht verhindert werden, da mit den Freilandarbeiten in 2015 aus logistischen Gründen erst vergleichsweise spät im Jahr begonnen werden konnte –, weitere Verluste dürften auf Prädation beruhen. Verluste in Folge landwirtschaftlicher Bearbeitungen sollten sich durch eine enge Kooperation mit den Landwirten in Zukunft vermeiden lassen. Dazu sind bereits entsprechende Ausgleichszahlungen durch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeplant.

Um den Einfluss der Prädation beurteilen und geeignete Abwehrmaßnahmen einleiten zu können, müsste im nächsten Schritt, bspw. durch den Einsatz von Wildtier-Nestkameras, geklärt werden, ob Säuger oder Vögel für die Prädation verantwortlich sind. Erst dann können gezielte Schutzmaßnahmen (z. B. Aufbau von Schutzzäunen, Schutzkörben) eingeleitet werden.

Aufgrund der hohen Bedeutung des Gebiets für Wiesenvögel könnten aber schon jetzt erste indirekte Maßnahmen eingeleitet werden, bspw.

  • großflächige Wiedervernässung der Wiesenflächen – dies schafft einerseits weitere geeignete Brut- und Nahrungshabitate für Wiesenvögel, zugleich führt es in der Regel zu geringeren Mäusedichten, sodass die Flächen für Prädatoren unattraktiver werden,

  • Reduzierung von Gehölzen, die von Prädatoren als Sitzwarten oder sogar zur Brut genutzt werden.

Die Untersuchungen sollen in den kommenden Jahren fortgeführt und ausgedehnt werden.

Interessenten können den Projektbericht bei Michael Exo anfordern, E-Mail: michael.exo (at) web.de.

Wiesenvogelschutz in der Marsch

Von den Alpen bis zur Küste, im Wald und in den Zentren unserer Großstäddte, Vögel aller Art begleiten uns überall. Keiner kann sich vorstellen, dass sich dies ändern wird.

Doch schon heute sind viele Arten stark gefährdet und ihr Schutz sollte und muß uns wichtig sein. Denn in den vergangen 30 Jahren hat Europa über 400 Millionen Vögel verloren.

Die großen Verliererarten sind: Rebhuhn, Wendehals, Wiesenpieper, Kiebitz, Wacholderdrossel, Baumpieper, Bluthänfling, Feldschwirl, Uferschnepfe und der Waldlaubsänger.

Aber auch die Bestände der Allerweltsvögel wie Star, Haussperling oder Feldlerche haben erheblich gelitten.

Daher muß in allen Regionen versucht werden, die Vögel zu schützen. Hier bei uns soll nun in der Etzeler Marsch der Wiesenvogelschutz vorangetrieben werden.

Foto: Knut Jeromin - Uferschnepfe

Trotz vielfältiger Schutzbemühungen gehören Wiesenvögel zu den am stärksten gefährdeten Brutvogelarten, ihre Bestände nehmen europaweit seit Jahrzehnten rapide ab. Die Bestandsrückgänge sind im Wesentlichen auf einen zu geringen Bruterfolg in Folge Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft zurückzuführen. Die Schutzbemühungen in den mitteleuropäischen Brutgebieten müssen weiter intensiviert und verbessert werden.


Die Etzeler Marsch beherbergte bis Mitte des letzten Jahrhunderts aufgrund hoher Grundwasserstände und regelmäßiger winterlicher Hochwasserstände bedeutende Wiesenvogel-Brutvorkommen. Auch wenn weite Teile die Etzeler Marsch in Folge großflächiger Entwässerungen, Intensivierung der Landwirtschaft, der Anlage von Kavernen etc. immens entwertet wurden, beherbergt sie auch heute noch bedeutende Wiesenvogel-Brutbestände. Stichpunktartige Begehungen in 2013 und 2014 ergaben allein auf einer nur ca. 5 km² großen Fläche ≥ 5 Brutpaare (BP) des Großen Brachvogels, ≥ 5 BP der Uferschnepfe, ≥ 10 Austernfischer BP und > 20 BP des Kiebitzes. Hinzu kamen in 2014 mindestens 5 (!) Paare der Sumpfohreule. Alle genannten Arten stehen auf der Roten Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Vogelarten sowie auf den Roten Liste der in Deutschland und im Naturraum „Watten und Marschen“ gefährdeten Vogelarten. Dem entsprechend gehören sie zu den prioritären Arten des Brutvogelschutzes in Niedersachsen.


Beobachtungen zur Brutzeit 2014 zeigten darüber hinaus, dass die Bruten extrem gefährdet sind: Mindestens die Hälfte der Gelege der Sumpfohreule, des Großen Brachvogels und der Uferschnepfe wurden in Folge zu früher Mahd zerstört (wahrscheinlich lag der Prozentsatz deutlich höher, nicht alle Standorte konnten regelmäßig kontrolliert werden)!



Was ist geplant?

Auch wenn die Etzeler Marsch für Wiesenvögel von großer Bedeutung ist, liegen keine quantitativen Bestandserfassungen vor. In einem Kerngebiet der Etzeler Marsch – zwischen den Ortschaften Etzel und Horsten und dem Friedeburger Tief – sollen im Rahmen einer Pilotstudie in 2015 die Brutbestände der o. g. Wiesenvogelarten erstmals quantitativ erfasst werden. Dazu werden ab Ende März/Anfang April Revierkartierungen durchgeführt.


Aufbauend auf den Revierkartierungen sollen die Nester der Sumpfohreule, des Großen Brachvogels, der Uferschnepfe, und, soweit im Rahmen der Pilotstudie möglich, des Austernfischers und Kiebitzes lokalisiert und in enger Absprache mit den Landwirten und Jagdpächtern geschützt werden. Die Nester werden mit Bambusstäben markiert, bei auf Weideflächen brütenden Wiesenlimikolen kann zur Sicherung des Nestes darüber hinaus ein Schutzkorb aufgebaut werden. Nester von auf Mahdflächen brütenden Vögeln sind durch min. 25 x 25 m große Absperrungen (Eckpflöcke) zu schützen; diese Flächen dürfen in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde erst nach der Brutzeit gemäht werden.


Zugleich sind erste Untersuchungen zum Schlupferfolg geplant. Untersuchungen zum Schlupferfolg von Wiesenvögeln liegen aus der Etzeler Marsch bisher nicht vor. Schlupferfolgsdaten sind unabdingbar, um bspw. abzuschätzen, ob die lokale Population sich langfristig selbst erhalten kann oder ob die Population auf Zuwanderung aus anderen Gebieten angewiesen ist. Schlupferfolgsuntersuchungen geben zugleich Hinweise auf die Effektivität der durchgeführten Nestschutzmaßnahmen und auf weitere Gefährdungsursachen (z. B. Verluste in Folge Prädation).


Sollte sich die Bedeutung des Gebiets für Wiesenvögel und deren Gefährdung bestätigen, sollen die Untersuchungen langfristig auf einer größeren Fläche fortgeführt werden.


An einer Mitarbeit Interessierte wenden sich bitte an Michael Exo, E-Mail: Michael.exo@web.de.


Mit Förderung durch die Naturschutzstiftung Friesland – Wittmund – Wilhelmshaven.



Suche